Sebastian Vettel vor einem Mercedes: Das war auch der Strecke zu verdanken
Nach einer bisher schwierigen Formel-1-Saison 2015 gelang Red Bull am Sonntag beim Grand Prix von Monaco eine Art Befreiungsschlag. Mit den Plätzen vier und fünf fuhren Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo das bisher beste Saisonergebnis für das Team ein – sehr zur Freude von Teamchef Christian Horner. „Wir haben das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht“, sagt er nach dem Rennen. „Einen Ferrari auf der Strecke zu schlagen und hinter beiden Mercedes und einem Ferrari auf die Plätze vier und fünf zu fahren, ist das Beste, was wir uns heute erhoffen durften.“
0
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
Vor allem von der Leistung seines jüngsten Piloten, der zuletzt von Motorsportchef Helmut Marko offen kritisiert wurde, war Horner begeistert. „Das war ein gutes Rennen von Kwjat. Er hatte einen guten Start, seine Pace war gut, und hat abgeliefert, wenn er musste“, so Horner. „Er hat sich die Reifen sehr gut eingeteilt. Das war sein bisher bestes Ergebnis in der Formel 1.“
Auf dem engen und winkligen Stadtkurs von Monaco konnte Red Bull im Rennen seine Stärken ausspielen. „Wir konnten hier mit maximalem Abtrieb fahren und mussten keine Kompromisse eingehen. Und dabei hat sich das Potenzial des Chassis‘ gezeigt“, so Horner. Zugleich wurde die Schwachstelle des Autos, der Renault-Antrieb, nicht so offensichtlich. „Das ist die Strecke im Kalender, auf der der Motor der geringste Rolle spielt“, sagt Horner.
Die Tatsache, dass beide Fahrer ohne Probleme mit den Antriebseinheiten durchs Rennen gekommen sind, sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, meint Horner. Allerdings könnten die Probleme mit den Renault-Antrieben das Team schon in 14 Tagen beim Grand Prix von Montreal wieder einholen.
Foto: Red Bull, Großer Preis von Monaco
„Wir werden jetzt schauen, was wir in Montreal machen, ob wir dort die Strafe in Kauf nehmen oder nicht“, will Horner einen erneuten Wechsel des Motors nicht ausschließen. Ricciardo und Kwjat haben in dieser Saison bereits vier Verbrennungsmotoren verwendet. Beim Einbau eines fünften erfolgt eine Strafversetzung um zehn Positionen.
„Es hängt davon ab, wie die Motoren nach diesem Rennen aussehen“, will Horner einen erneuten Motorwechsel in Montreal weder ausschließen noch garantieren. Da Red Bull die Strafe in den nächsten Rennen ohnehin irgendwann in Kauf nehmen muss, wäre es taktisch nicht unklug, diese in Montreal zu kassieren, wo Überholen einfacher ist, und oft chaotische Rennverläufe mit Safety-Car-Phasen die Chancen zu Positionsverbesserungen bieten.
Sebastian Vettel vor einem Mercedes: Das war auch der Strecke zu verdanken
Zum dritten Mal in der laufenden Saison ist es einem Ferrari-Piloten gelungen, die Mercedes-Phalanx an der Spitze zu sprengen. Überbewerten will Sebastian Vettel den zweiten Platz beim Monaco-Grand-Prix am Sonntag nicht, schließlich ist auch Maurizio Arrivabene nicht entgangen, dass viele Faktoren dazu beigetragen haben: „Wir hatten Glück, klar“, sagt der Teamchef. Denn strategisch lief es für die Scuderia im Fürstentum nach durchwachsenem Qualifying zunächst nicht wie gewünscht.
1
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
Beim ersten Boxenstopp ging Vettels so genannter „Undercut“, also der frühere Reifenwechsel als der vor ihm fahrende Nico Rosberg, nicht auf. Die schnelle Runde mit frischen Pneus war nicht genug, um die Lücke zu schließen und nach dem Halt des Mercedes-Piloten vorne zu landen: „Ich musste einen Manor überrunden und habe eine Sekunde verloren, sonst wäre ich näher dran gewesen. Ich weiß aber nicht, ob es gereicht hätte. Wahrscheinlich nicht“, räumt der Heppenheimer ein.
Ursächlich waren auch ein kleiner Patzer und die schnelle Antwort der Silberpfeile, schließlich kam Rosberg unmittelbar nach Vettel an die Box: „Sie haben sofort reagiert und ich bin nicht optimal an die Haltelinie herangefahren, was auch noch etwas Zeit gekostet hat“, hadert der Ferrari-Star. Arrivabene meint mit Blick auf die Strategie, dass der „Undercut“ zwar letztlich wünschenswert, nicht aber der Masterplan der Scuderia war. „Es war das Gegenteil. Wir waren nervös und haben nach dem richtigen Fenster gesucht. Wir wollten cool bleiben“, beschreibt er aufbauende Supersoft-Reifen.
Déjà-vu für Vettel: Wie 2008 mit Jarno Trulli
Die zweite knifflige Entscheidung gab es, als das Safety-Car nach dem Crash des Max Verstappen ausrückte. Zu diesem Zeitpunkt diskutierte Ferrari nicht mehr die Option, zum zweiten Mal die superweichen Gummis aufzuziehen, was Lewis Hamilton zum Verhängnis wurde. „Es kam auf den Abstand zum Hintermann an. Wir haben einige Optionen besprochen, aber an dieser Stelle war klar, dass wir draußen bleiben würden“, so Vettel, der sich im Fürstentum als wahres Formel-1-Orakel herausstellte.
Foto: Ferrari, Großer Preis von Monaco
Oder als ausgebuffter Routinier: „Einmal dachte ich mir: ‚Es kann nicht sein, dass wir in Monaco ohne Safety-Car fahren.‘ Man muss immer ein bisschen auf das Unvorhersehbare vorbereitet sein“, weiß Vettel, der diese Qualität im Duell mit dem aus der Boxengasse herausfahrenden Hamilton unter Beweis stellte. „Das hatte ich 2008 schon mit Jarno Trulli“, erinnert er sich an seine ersten Formel-1-Punkte für Toro Rosso. „Meine lange Nase hat mir geholfen. Es wurde emotional und ich habe mit Lewis sofort gestikuliert, um zu zeigen, dass ich vorne war.“
Knackpunkt Qualifying
Unverständlich war für Vettel anschließend das Tempo der überrundeten Piloten, die das Safety-Car überholen und an das Feld anschließen durften – wenn sie denn schnell genug gefahren wären. „Regeln sind Regeln, aber wie langsam sie unterwegs waren, war lächerlich. Sie waren nur 30 Sekunden vor uns, aber nicht ansatzweise nahe dran.“
© LAT

Sebastian Vettel hatte mit dem Supersoft-Reifen seine liebe MüheDass Ferrari im Rennen zumindest mit dem Mercedes Rosbergs Schritt hielt, will Vettel nicht überbewerten. „Kleinere Abstände sind auf dieser Strecke normal“, verweist er darauf, dass Monaco die kürzeste Bahn im Formel-1-Kalender ist. Arrivabene stimmt zu und denkt an Spanien, wo es für seine Farben schlechter lief: „Barcelona ist eine Strecke, auf der es auf das Auto ankommt. Wenn man dort stark ist, ist man überall stark. Wir sollten nicht glauben, dass Probleme gelöst sind, weil wir in Monaco gut waren. Barcelona ist überall, nicht Monaco.“
Ferraris Misere beginnt samstags im Qualifying, wenn die Roten ihre Reifen nur langsam auf Temperatur bekommen. „Beim Restart ist uns genau das Gleiche passiert“, merkt Vettel an. Arrivabene ist sicher, dass die Probleme zum Schneeball werden, sobald keine freie Fahrt am Start gegeben ist: „Mit einer besseren Position wäre unsere Aufgabe einfacher, denn es hilft den Reifen nicht, wenn man hinterherfährt.“ Zu Gerüchten um einen Qualifying-Boost bei Mercedes und ein von der FIA verbotenes System bei Ferrari schweigt er sich aus: „Man muss Mercedes fragen, warum sie so stark sind. Seit Beginn des Jahres sind sie so schnell.“
Mercedes-Sportchef Toto Wolff hat Erklärungsbedarf in Monte Carlo…
Toto Wolff ist nach dem sechsten Rennen der Formel-1-Saison 2015 ein gefragter Mann. Denn der Mercedes-Sportchef muss Erklärungen liefern. Das Hauptthema: Weshalb wurde Lewis Hamilton in Führung liegend und ohne Not an die Box beordert? Das war schließlich die entscheidende Szene beim Großen Preis von Monaco in Monte Carlo. Im ausführlichen Mediengespräch stellt sich Wolff den Fragen der Journalisten und schildert, was am Kommandostand von Mercedes genau los war.
0
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
Frage: „Toto, was ist denn da passiert?“
Toto Wolff: „Das ist in der Tat die entscheidende Frage. Die einfache Antwort darauf ist: Wir haben uns verrechnet. Wir dachten, wir hätten einen Abstand, den es aber so nicht gab. Als das Safety-Car auf die Strecke kam und Lewis hinter dem Safety-Car lag, haben unsere Berechnungen einfach nicht gestimmt. Das ist, was passiert ist.“
Frage: „Wie groß war der Abstand nach hinten?“
Wolff: „Wie groß der Abstand auch war, es handelte sich um ein paar Sekunden. Wir gingen davon aus, der Abstand wäre größer, als er es in der Realität war. Wir dachten, es wäre genug Abstand für einen Boxenstopp, sogar für einen schlechten.“
„Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“
Toto Wolff
Frage: „Und warum? Wer ist für diesen Fehler verantwortlich?“ Wolff: „Es ist eine Teamentscheidung. Wir alle sind dafür verantwortlich. Wir treffen Entscheidungen gemeinsam. Es gibt da keinen Schuldigen. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Das ist klar.“
Frage: „Sind die Ingenieure bei ihren Berechnungen von der Virtual-Safety-Car-Situation, die dann eine Safety-Car-Phase wurde, durcheinandergebracht worden?“
Wolff: „In Monaco gibt es kein GPS. Das macht die ganze Aufgabe noch schwieriger. Deshalb haben wir es falschgemacht, als die Virtual-Safety-Car-Phase zu einer Safety-Car-Phase wurde.“
Frage: „Wurde Lewis Hamilton vom Safety-Car aufgehalten?“
Wolff: „Wir müssen uns anschauen, wie schnell das Safety-Car gefahren ist. Lewis ist auf das Safety-Car aufgelaufen und hat dabei vermutlich Zeit verloren. Das hat wohl auch eine Rolle gespielt.“
Frage: „Warum hat sich das Team überhaupt auf das Risiko eines Boxenstopps eingelassen? Lewis führte. Weshalb holte ihn das Team an die Box?“
Wolff: „Das mögliche Risiko war, dass Sebastian auf die weicheren Reifen wechselt. Er lag zu diesem Zeitpunkt hinter Nico und hätte am Ende eine Gefährdung darstellen können. Ganz einfach gesagt: Wir haben keinen Gebrauch vom gesunden Menschenverstand gemacht. Allerdings müssen wir halt den Daten folgen. So funktioniert dieser Sport. Ich stimme zu: Es war ein Risiko. Es sieht aus wie ein Risiko. Die einfache Antwort ist aber: Die Berechnungen haben nicht gestimmt.“
© xpbimages.com

„Unfall“: Nicht Lewis Hamilton siegt in Monaco, sondern Nico Rosberg…Frage: „Weshalb hat das Team nicht darauf gewartet, dass Sebastian Vettel die Reifen wechselt, um sicherzugehen?“
Wolff: „Er lag hinter uns, um zwölf, 13 oder wie viele Sekunden auch immer.“
Frage: „Sebastian Vettel wäre nach einem Boxenstopp vielleicht hinter die Red-Bull-Autos zurückgefallen…“
Wolff: „Nein, er wäre als Dritter auf die Strecke zurückgekehrt.“
Frage: „Wo war also die Angst für Lewis Hamilton?“
Wolff: „Ja, das ist vielleicht dieser gesunde Menschenverstand. Der sagt dir: Wenn du als Dritter mit der superweichen Reifenmischung auf die Strecke kommst, wird es schwierig, einen Fahrer zu überholen – geschweige denn zwei Piloten. Dann hätten wir vielleicht auch einen ersten und einen dritten Platz belegt, aber vielleicht mit einer anderen Reihenfolge der Fahrer. Ja, so kann man es sehen. Vermutlich wäre es auch so gewesen. Dennoch muss man sich auf die Daten verlassen.“
Frage: „Verlässt man sich in einer solchen Situation wirklich nur auf die Daten?“
Wolff: „Unsere große Diskussion war: Wie wiegen wir Daten gegen gesunden Menschenverstand auf. Und Menschenverstand ist gut und schön, gewinnt dir auf Dauer aber keine Rennen. Du musst datenorientiert sein. Wir müssen uns jetzt fragen, warum wir uns in den Daten geirrt haben.“
© LAT

Siegeskurs: Lewis Hamilton hatte den Großen Preis von Monaco im GriffFrage: „Hat Lewis Hamilton die Entscheidung am Funk in Frage gestellt?“
Wolff: „Wir haben darüber gesprochen. Es gab die Nachricht, dass die Temperaturen ziemlich in die Knie gegangen sind und dass die härteren Reifen kaum mehr Grip hatten. Das ist aber noch immer nicht der Grund, weshalb wir es gemacht haben. Die Zahlen haben einfach gepasst.“
Frage: „Lewis Hamilton hat offenbar vom Zustand seiner Reifen berichtet. Wie viel Anteil hat er an dieser Fehlentscheidung?“
Wolff: „Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen. Es stürzten binnen sehr kurzer Zeit sehr viele Informationen auf uns herein. Und binnen Sekundenbruchteilen muss eine Entscheidung her. Wir haben versucht, möglichst viele Informationen von den Ingenieuren, vom Management und vom Fahrer einzuholen, um eine Entscheidung zu treffen. In diesem Fall war der Algorithmus falsch.“
Frage: „Hat Lewis Hamiltons Funkspruch, in dem er von seinen nachlassenden Reifen berichtet hat, die Entscheidung beeinflusst?“
Wolff: „Das hat die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt nicht beeinflusst. Es war einer der Punkte, aber sicher nicht der auslösende Moment.“
Frage: „Wer hat die Anweisung an Lewis Hamilton weitergegeben? Wer hat mit ihm kommuniziert?“
Wolff: „Für die Weitergabe dieser Information sind die Strategen verantwortlich. Aber nur der Renningenieur spricht direkt mit dem Fahrer, niemand sonst. Er gibt die Nachrichten weiter.“
„Die finale Entscheidung wurde 50 Meter vor dem Eingang zur Boxengasse getroffen.“
Toto Wolff
Frage: „Nach dem Unfall von Max Verstappen: Wann wurde Lewis Hamilton über den bevorstehenden Boxenstopp informiert?“ Wolff: „In der Rascasse-Kurve. Die finale Entscheidung wurde 50 Meter vor dem Eingang zur Boxengasse getroffen.“
Frage: „Hätte er sich widersetzen können und dürfen?“
Wolff: „Er hat gar nicht gewusst, was da draußen abläuft. Er hat zu dem Zeitpunkt keinen Überblick, wer wo liegt, wer stoppt, wie viele Runden es noch sind.“
Frage: „Als Lewis Hamilton aus der Boxengasse kam und neben Sebastian Vettel auf die Strecke zurückkehrte, gab es da Bestrebungen, den Platz mit Vettel zu tauschen?“
Wolff: „Das ist eine Frage, mit der wir uns nicht beschäftigen mussten. Um dieses Problem ging es nicht.“
Frage: „Was hättet ihr denn gemacht, wenn Lewis Hamilton nicht hinter Sebastian Vettel, sondern hinter Nico Rosberg wieder auf den Kurs zurückgekommen wäre? Hättet ihr ihn überholen lassen?“
Wolff: „Ich habe so schon genug Probleme. Wir haben kurz diskutiert, was passiert wäre, wenn Lewis Sebastian überholt hätte. Wir hätten wahrscheinlich nicht eingegriffen.“
Frage: „Schon früh im Rennen hieß es, die Telemetrie bei Lewis Hamilton funktioniere nicht richtig, die Zeitmessung hingegen ganz normal…“
Wolff: „Das hat damit nichts zu tun. Die Deltazeit in der Safety-Car-Phase war eingefroren. Das hat es nicht aktualisiert. Und das wiederum hat uns in die Irre geleitet.“
Frage: „Wurde auch überlegt, Nico Rosberg ebenfalls in die Box zu holen?“
Wolff: „Dann hätten wir ja ganz blöd ausgeschaut. Lewis hat auf einem Bildschirm gesehen, dass Boxenstopps stattfinden. Da schauen alle Fahrer hin. Er war der Meinung, alle anderen stoppen auch. Das hat aber nichts damit zu tun gehabt, dass wir die Entscheidung getroffen haben.“
© xpbimages.com

Bedient: Lewis Hamilton wurde in Monaco um den sicheren Sieg gebrachtFrage: „Hat diese Entscheidung etwas mit Malaysia zu tun, wo die Strategie der beiden Fahrer nicht gesplittet wurde?“
Wolff: „Nein. Das hat gar nichts damit zu tun. Es war eine Entscheidung, die nur das heutige Renngeschehen mit sich gebracht hat.“
Frage: „Was ist eigentlich in der Portier-Kurve mit Lewis Hamilton passiert? Nach der Zieldurchfahrt?“
Wolff: „Wo ist Portier? Ich kenne mich hier nicht aus…“
Frage: „Die Kurve vor dem Tunnel, wo er kurz angehalten hat…“
Wolff: „Ah, ich weiß.“
Frage: „Gab es da ein Gespräch mit Lewis Hamilton über Funk?“
Wolff: „Nein. Es gab kein Gespräch. Ich weiß auch nicht, weshalb er angehalten hat.“
Frage: „Wie kann man das wiedergutmachen?“
Wolff: „Ich habe ihn in der Interviewzone aufgesucht. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Das hier war ein Teamfehler, also habe ich mich entschuldigt. Das ist wahrscheinlich das Einzige, was man da machen kann. Lewis ist eine klasse Führungsperson und ein großartiger Fahrer. Ich bin mir sicher: Er wird verstehen, dass wir manchmal Fehler machen. Das war eine solche Situation.“
Frage: „Hast du schon persönlich mit Lewis Hamilton gesprochen?“
Wolff: „Ja.“
Frage: „Was hat er als erstes zu dir gesagt?“
Wolff: „Wir waren in der Medienzone. Ich entschuldigte mich bei ihm. Es war alles gut zwischen uns.“
„Es schmerzt Lewis sicherlich, dieses Rennen verloren zu haben.“
Toto Wolff
Frage: „Wird Lewis Hamilton diese Panne wegstecken?“ Wolff: „Er ist mental sehr stark. Und er hat einen Lauf. Dennoch schmerzt es ihn sicherlich, dieses Rennen verloren zu haben. Denn es wäre ein sicherer Sieg gewesen. Ich bin mir aber sicher, er ist alsbald wieder da, so wie immer in der Vergangenheit.“
Frage: „Wie fühlt sich Lewis Hamilton gerade?“
Wolff: „Menschlich gesehen enttäuscht. Denn das war sein Rennen. Er hatte es schon gewonnen. Es war nur noch eine Sache von zehn Runden – oder 13. Er musste es nur noch nach Hause fahren. Doch dann kam die Strategieentscheidung, die unverständlich ist. Das werden wir gemeinsam besprechen.“
© xpbimages.com

Nico Rosberg feiert seinen dritten Sieg in Folge beim Monte-Carlo-RennenFrage: „Inwiefern muss man sich als Teamchef zerreißen? Mit dem einen Fahrer jubeln, mit dem anderen Fahrer trauern…“
Wolff: „Wir haben Monaco mit den Positionen eins und drei beendet. Wir führen in der Fahrerwertung mit Lewis, Nico ist Zweiter. Wir führen in der Konstrukteurswertung und haben heute ein gutes Ergebnis erzielt, das nicht den Rennverlauf widerspiegelt.“
„Als Teamchef muss ich mich natürlich zerreißen. Ich persönlich freue mich für Nico. Er hat den Hattrick geschafft. In ein paar Jahren wird es niemand mehr interessieren, wie das passiert ist. Das ist einfach in der Statistik. Das freut mich für ihn. Für Lewis tut es mir unheimlich leid. Wenn ich es könnte, würde ich es rückgängig machen. Er hätte es verdient gehabt, dieses Rennen zu gewinnen.“
Frage: „Gibt es eine Möglichkeit, Lewis Hamilton den Sieg irgendwie zurückzugeben?“
Wolff: „Wie? Nein.“
Frage: „Herr Zetsche ist an diesem Wochenende in Monaco zu Gast…“
Wolff: „Herr Zetsche war sehr unzufrieden mit dieser speziellen Situation. Wir haben Lewis, den WM-Spitzenreiter. Und wir haben Nico, der heute auf Platz zwei fuhr. Und ihr könnt mir glauben: In diesem Team wird kein Fahrer bevorzugt, aus keinem Grund.“
Frage: „Nicht mehr so viel auf die Daten geben, sondern eher logisch denken – ist das die Lektion für die Zukunft?“
Wolff: „Ich denke, wahrscheinlich sollte man sich eher auf die Daten als auf das Bauchgefühl verlassen.“
Frage: „Wie kann man sicherstellen, dass dergleichen nicht erneut vorkommt?“
Wolff: „Das ist Motorsport. Fehler passieren. Wir arbeiten mit Algorithmen und wir arbeiten mit Menschen. Wir sind alle Menschen. In diesem Fall müssen wir einfach überprüfen, wo unsere Mathematik heute eine Crux hatte. Ob es daran liegt, dass wir kein GPS hatten. Ob der Abstand nicht gestimmt hat. Irgendwo gab es einen Fehler. Diesen müssen wir ausmerzen und dürfen ihn nicht wieder machen.“
Nico Rosberg jubelte ausgelassen, dachte aber auch an Lewis Hamilton
Nico Rosberg hat in seinem Leben angenehmere Podiumszeremonien als die nach dem Monaco-Grand-Prix am Sonntag hinter sich gebracht. Das lag nicht an der royal-gediegenen Atmosphäre vor der Fürstenloge, sondern an seinem am Boden zerstörten Teamkollegen Lewis Hamilton, der Größe bewies und dem Rivalen gratulierte. „Für das ganze Team ist es merkwürdig“, sagt Rosberg bei ‚Sky Sports F1‘. „Sie wissen, dass Lewis es verdient hätte, zu gewinnen. Manchmal ist Sport brutal und der Horror.“
0
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
Er selbst hätte so viel Glück wie nie zuvor in seiner Karriere gehabt, räumt der Wiesbadener vor dem Hintergrund des Strategiefehlers beim Stallgefährten ein. Nicht jedoch, dass die Umstände des zehnten Grand-Prix-Erfolgs seiner Laufbahn die Freude hemmen würden. „Monaco zu gewinnen ist Monaco zu gewinnen. Ich freue mich“, so Rosberg. Er beweist, dass Hamilton trotz der abgekühlten Atmosphäre weiter nicht nur Gegner, sondern auch noch ein Monaco-Nachbar und ein Freund aus Kindheitstagen ist.
Rosberg fühlt mit: „Das ist einer der schlimmste Momente seiner Karriere“, sagt er und stellt nur die im Jahr 2007 beim Saisonfinale in Brasilien verlorene WM-Krone darüber. „Weit weg ist es aber nicht, zumal er so einen tollen Job gemacht und sich nicht den kleinsten Fehltritt geleistet hat.“ Denn auf der Strecke war Rosberg gegen den amtierenden Champion ohne jede Chance, er hatte sich nach gut zwei Dritteln des Rennens mit dem Silberrang und dem missglückten Fürstentum-Hattrick abgefunden.
In zehn Jahren ist alles „ziemlich cool“
Doch dann kamen das Safety-Car und der verhängnisvolle Boxenstopp: „Ich brauchte erst einen Moment, weil ich nicht kapiert habe, was los war“, sagt Rosberg über die plötzliche Führung. „Ich sah das Safety-Car, aber keinen Lewis vor mir. Ich dachte nur als sie Reifen an Reifen hinter mir waren: ‚Was zur Hölle…'“ Wie gut es Fortuna mit ihm meinte, war ihm gar nicht klar, schließlich bereiteten die Pneus wie schon in den Tagen zuvor Probleme. Die lange Schleichfahrt drohte zum Waterloo zu werden.
Rosberg war innerlich auf Rang zwei eingestellt: „Ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass Lewis gewinnen würden. Diese Reifen waren wie Eis, sie waren gefroren. Meine Ingenieure haben mir Temperaturen genannt, die ich noch nie zuvor gehört habe.“ Doch das Gegenmittel Bodenblech-Kontakt im Fußraum rechts wirkte wie so oft in der Formel-1-Geschichte wahre Wunder, die rote Panzersperre Sebastian Vettel tat ihr Übriges hinzu: „Ich habe Druck gemacht wie ein Verrückter, dann ging es wieder.“
Keine Partynacht ohne Sondererlaubnis der Ehefrau
Der fade Beigeschmack des Erfolges wird vergehen, meint Rosberg: „In zehn Jahren denke ich zurück und denke mir: ‚Ziemlich cool!'“ Neben dem Comeback auf der Strecke feiert er auch eine Wiederauferstehung in der WM-Gesamtwertung und verkürzt den Rückstand auf Hamilton auf zehn Zähler. „Der Zweifel ist ein ständiger Begleiter, aber ich verjage ihn mit Zuversicht“, merkt Rosberg vor dem Hintergrund seiner jüngsten Schlappen an.
© xpbimages.com

Nico Rosberg hinter dem Safety-Car: Sein Glück dämmerte ihm erst langsamDas liegt vielleicht auch am „Glücksbauch“ seiner schwangeren Ehefrau Vivian, die das heimische Monaco beim Feiern nicht unsicher machen wird: „Ich muss meine Frau um eine Sondererlaubnis fragen. Sie geht um zehn Uhr ins Bett“ mimt Rosberg den braven Gatten, wenn es um die Siegerparty nach dem Besuch beim Fürsten geht.
Auf seinen angeheirateten Talisman will der 29-Jährige aber nicht bis zum Saisonende vertrauen: „Nicht, dass sie noch alle Rennen mitmachen muss…“, sagt Rosberg schmunzelnd. Die angesprochene Vivian ist im Gespräch mit ‚RTL‘ überzeugt, dass die nächste Generation der Rosbergs auch mitfieberte: „Ja natürlich, es ist unglaublich! Ich kann es noch gar nicht realisieren! Es war bis zur letzten Sekunde sehr, sehr spannend, und ich glaube, die Kleine hat auch schon ordentlich getreten.“
Mit den Plätzen vier und fünf für Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo erzielte Red Bull beim Grand Prix von Monaco in Monte Carlo das bisher beste Ergebnis in dieser Formel-1-Saison. Doch dessen Entstehung war nicht alltäglich, denn in der Schlussphase des Rennens mussten beide Fahrer auf Anweisung des Teams mehrmals ihre Positionen auf der Strecke tauschen. Auslöser für dieses Formel-1-Schach war in der 64. Runde der Unfall zwischen Max Verstappen (Toro Rosso) und Romain Grosjean (Lotus), in dessen Folge das Safety-Car auf die Strecke kam.
© xpbimages.com

1
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
Daraufhin beorderte Red Bull Ricciardo, der zu diesem Zeitpunkt hinter Kimi Räikkönen (Ferrari) auf Position sechs fuhr, an die Box. „Wir hatten bei Ricciardo die Chance zu einem zusätzlichen Stopp und haben ihm einen Satz der weicheren Reifen gegeben. Die sollten am Ende des Rennens zwei Sekunden schneller sein“, beschreibt Teamchef Christian Horner gegenüber ‚Sky Sports F1‘ das Kalkül des Teams.
Damit nahm ein bis dahin für Red Bull recht unspektakuläres Rennen plötzlich Fahrt auf. „Der zusätzliche Boxenstopp am Ende hat noch einmal Feuer reingebracht“, grinst Ricciardo. Nach dem Neustart griff er Räikkönen an, kam trotz der deutliche frischeren Reifen auf dem engen Stadtkurs aber zunächst nicht am Finnen vorbei.
Ricciardo quetscht sich an Räikkönen vorbei
„Nach dem Neustart habe ich habe ich es in Kurve 5 versucht, aber er hat sich verteidigt und mir keinen Platz gelassen. Ich musste daher eine Vollbremsung machen und wäre ihm fast ins Heck gefahren“, berichtet Ricciardo über seinen ersten Angriff. „In der nächsten Runde habe ich es versucht, weil ich eine kleine Lücke sah. Da wusste ich: Wenn ich es jetzt nicht versuche, werde ich es vielleicht nie tun.“
Vor der Mirabeau-Kurve wagte Ricciardo seinen Angriff, doch Räikkönen machte abermals die Türe zu. Es kam zur Berührung, doch Ricciardo ging am Finnen vorbei. „Es gab eine leichte Berührung, aber wir sind beide auf der Strecke geblieben“, sagt Ricciardo. Während sich Räikkönen am Boxenfunk über den Rammstoß des Red-Bull-Piloten aufregte, sah dieser wie auch die Rennleitung die Aktion als gesunde Härte an. Es gab keine Strafe.
„Die Rennkommissare und alle anderen wissen, dass so was in Monaco passieren kann. Wenn man überholen will, muss man sich manchmal ein wenig anlehnen“, sagt Ricciardo. „Kimi fährt schon lange genug Rennen und wird das verstehen, auch wenn er jetzt frustriert ist. Aber es hat Spaß gemacht.“
Taktik-Poker geht nicht auf
Ricciardo schloss anschließend schnell zu seinem Teamkollegen Kwjat auf, der ihn am Start des Rennens überholt hatte. Dieser fuhr zu diesem Zeitpunkt auf schon 43 Runden alten weichen Reifen, während Ricciardos superweicher Satz erst zehn Runden auf dem Buckel hatte. Daher griff Red Bull zur Teamorder und wies Kwjat an, seinen Teamkollegen vorbeizulassen.
„Wir haben dann die Positionen unserer Autos gewechselt, wodurch Ricciardo die Chance hatte, Hamilton und Vettel anzugreifen“, sagt Horner. Doch das gelang dem Australier nicht, der dann schon wusste, was das bedeuten würde. „Wir hatten ihm gesagt, dass er den Platz zurückgeben muss, wenn er es nicht schafft. Daran haben sich beide gehalten, das war perfektes Teamplay.“
In der letzten Runde ließ Ricciardo Kwjat passieren und stellte damit die ursprüngliche Reihenfolge wieder her. „Sie haben bei ihm etwas mit der Strategie probiert. Er sollte den Mercedes und Ferrari vor sich überholen, aber das ist nicht passiert. Deshalb haben sie es fair gelöst“, freut sich Kwjat über diesen Ausgang des Formel-1-Schachs. Im Ziel durfte sich der junge Russe, der sich zuletzt auch intern Kritik anhören musste, über das beste Ergebnis in seiner Formel-1-Karriere freuen.
„Das war ein guter Tag und mein bestes Ergebnis in der Formel 1. Das war eine große Erleichterung“, wertet Kwjat das Rennen als Befreiungsschlag. Durch die 22 Punkte setzte sich Red Bull in der Konstrukteurswertung deutlich von seinen Verfolgern ab und ist nun sicherer Vierter. „Für das Team war es eines der besseren Wochenenden. Es wäre schön gewesen, aufs Podium zu fahren, aber wir müssen heute mit dem vierten und fünften Platz zufrieden sein“, so Ricciardo, der allerdings weiß, dass dieses Ergebnis auch den Besonderheiten des engen Stadtkurses von Monaco geschuldet war. „Das war wahrscheinlich für einige Zeit unsere beste Strecke.“
Das Wrack von Max Verstappen muss aus der Barriere geborgen werden
Es war der Knalleffekt in einem ansonsten faden Rennen: Der Unfall von Max Verstappen in Runde 63 ließ alle Fans plötzlich hochschrecken, denn der Youngster schoss in der ersten Kurve plötzlich mit hoher Geschwindigkeit in die Sicherheitsbarrieren, nachdem er auf den Lotus von Romain Grosjean aufgefahren war. Die Bilder ließen vermuten, dass es ein heftiger Aufprall war, doch der Niederländer konnte aus seinem Boliden steigen und gibt nun Entwarnung.
0
Artikel interessant?
Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann gib ihm hier Deine Stimme.
„Mir geht es nicht so schlecht. Ich bin noch ein wenig steif, aber ich kann laufen, von daher ist alles in Ordnung“, lautet die wichtigste Botschaft des Unfalls. „Ich hatte ein wenig Schmerzen in den Armen, aber ich bin einfach so schnell wie möglich aus dem Auto gestiegen und habe mich hingestellt, weil das immer besser ist, als im Auto zu sitzen.“ Doch wie kam es eigentlich zu dieser spektakulären Szene?
Verstappen war im Kampf um Rang zehn mit Romain Grosjean verstrickt. Auf der Start- und Zielgerade fuhr der Toro-Rosso-Pilot im Windschatten heran, doch in der Bremszone knallte er mit seinem linken Vorderrad auf das rechte Hinterrad des Franzosen und fuhr beinahe ungebremst in die Barriere. „Der hat den Flügel flach, und das offensichtlich zu lange. Er vergisst einfach den Bremspunkt, weil er sich zu sehr auf den Grosjean vor ihm konzentriert, und schlägt dann in die Bande ein“, analysiert Experte Marc Surer die Situation bei ‚Sky‘.
„Solche Fehler können passieren und sind auch in der Vergangenheit schon passiert. Wir erinnern uns, dass das in China einem alten Hasen passiert ist, nämlich Jenson Button, der einem hintendrauf gefahren ist“, so der Schweizer weiter. Doch Verstappen hat eine andere Sicht auf die Dinge. Seiner Meinung nach habe Grosjean einen Bremspunkt gewählt, der für ihn einfach viel zu früh kam. Denn eigentlich wollte Verstappen in dieser Situation nicht einmal überholen.
„Aus meiner Sicht war es nicht einmal ein richtiger Angriff, denn in der Runde davor habe ich an der gleichen Stelle gebremst“, erzählt er. „Aber beim Unfall hat das Auto vor mir einfach viel früher gebremst, und bei dieser Geschwindigkeit kann man nichts machen. Man erwartet nicht, dass der andere dort bremst. Ich habe versucht, es zu vermeiden, aber es hat mich eiskalt überrascht“, so der Niederländer.
Und so endete das erste Monaco-Rennen des Teenagers schließlich in einem Trümmerhaufen, doch glücklicherweise geht es ihm nach dem Unfall gut. „Zum Glück sind die Sicherheitsvorkehrungen in Monaco heute so viel besser“, atmet auch Marc Surer auf. „Das hätte ein Horrorunfall werden können, wenn man sieht, dass das Auto ungebremst da reinschießt.“