Eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone ist für Fans und Insider unvorstellbar. Dem omnipräsenten Zampano ist es zu verdanken, dass im Haifischbecken konträrer Interessen immer ein kleinster gemeinsamer Nenner gefunden wird. Was ist, wenn der 84-Jährige eines Tages – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr an der Spitze stehen kann? Jackie Stewart zeigt sich gegenüber ‚Globo Esporte‘ unbesorgt: „Bernie ist fantastisch. Man wird ihn vermissen, aber er wird ersetzt werden“, so die Rennlegende.
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Stewart lobt die kommerzielle Entwicklung der Formel 1, die erst unter Ecclestone zu einem Multi-Millionen-Dollar-Business wurde. Seine Aussage will er nicht als Kritik verstanden wissen, sondern als Hommage:“Bernie hat mehr für die Formel 1 getan als irgendjemand anderes. Von wem könnte man schon im Fußball behaupten, dass er den Sport verändert hätte?“, fragt sich Stewart, glaubt aber an Alternativen. „Niemand ist unersetzlich und vielleicht wird die nächste Führungsfigur sogar noch besser sein.“
Schließlich weiß der 75-Jährige, dass die Königsklasse in vielen Punkten Nachholbedarf hat: Die sozialen Medien sind trotz Gehversuchen keine Stärke, die Rennaction und das Rahmenprogramm an einigen Strecken lassen zu wünschen übrig. „Schauen Sie sich nur in den Fußballstadien um – da sind heute fast so viele Frauen wie Männer“, verweist Stewart auf unerschlossene Zielgruppen „Daran hat die Formel 1 bisher nicht gedacht, aber hoffentlich erkennt eine neue Generation von Sponsoren den Bedarf.“
#10: Fahren dürfen nur die Hinterbänkler – Sie ist der große Trumpf der Williams-Mannschaft. Doch nicht nur deshalb will die FIA der aktiven Radaufhängung beim Kanada-Grand-Prix 1993 einen Riegel vorschieben. Die fortschrittliche, aber unglaublich kostenintensive Technik wird von den Kommissaren bei der technische Abnahme als Fahrhilfe eingestuft und bei allen Teams für nicht-regelkonform befunden worden. Gleiches gilt für die Autos, die auf eine Traktionskontrolle setzten. Hintergrund: Die Systeme beeinflussen hydraulisch die Aerodynamik respektive entziehen dem Piloten teilweise die Kontrolle über den Vortrieb. Es entsteht die Drohkulisse, dass die Scuderia-Italia-Hinterbänkler Michele Alboreto und Luca Badoer die einzigen Starter in Montreal sind. Das Verbot wird bis Anfang 1994 aufgeschoben, dann aber durchgesetzt.
Sein jüngster Formel-1-Ensatz datiert aus dem Jahre 2013 beim Goodwood-Festival, damals in einem Williams-Boliden der alten V8-Motoren-Generation und ohne die neuen Hybridsysteme. Allerdings steckten im Wagen für Stewarts Geschmack schon genug Computer: „Es hat mir nicht gefallen“, unkt der Schotte, der im Cockpit Memory spielte: „Ich hätte mich daran schon noch irgendwie gewöhnt, aber ich musste erst diese ganzen Knöpfe am Lenkrad kapieren, indem mich das Team über Funk angeleitet hat.“
Sein Urteil fällt hart aus: „Es ist mit Sicherheit eine große Herausforderung, aber interessant finde ich es nicht. Ich fahre gerne schnelle Autos, aber die Formel 1 ist mir zu kompliziert“, beklagt Stewart.

